Stiftungsvortrag |
„Token statt
Aktie – wie die Blockchain die Börse revolutionieren wird“

03. Dezember 2020

Stiftungsvortrag der Stiftung Kreditwirtschaft

Jos Dijsselhof zum Thema „Token statt Aktie – wie die Blockchain die Börse revolutionieren wird“

Am 03.12.2020 fand der dritte digitale Vortrag der Stiftung Kreditwirtschaft im Wintersemester 20/21 per Zoom statt. Dieses Mal war Jos Dijsselhof, CEO der SIX Group, zu Gast am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim. Es fanden sich erneut zahlreiche interessierte Zuhörer im digitalen Hörsaal ein, um dem Vortrag zum Thema „Token statt Aktie - wie die Blockchain die Börse revolutionieren wird“ zu folgen und markierten die bisher bestbesuchte Onlineveranstaltung der Stiftung.

Zu Beginn des Stiftungsevents begrüßt Prof. Burghof die Zuhörer und stellt anschließend den heutigen Gastredner, Jos Dijsselhof, kurz vor. Dieser studierte Computerwissenschaft in der kleinen holländischen Stadt Emmen zwischen Groningen und Enschede. Zu dieser Zeit, war die dortige Hochschule einige der wenigen in den Niederlanden, die ein Studium der Informatik und Computerwissenschaften anbot. Im Anschluss erlangte er seinen MBA in Amsterdam. Das internationale Bankgeschäft lernte er unter anderem in Shanghai und Hongkong kennen, wo er für die ABN Amro Bank, Royal Bank of Scotland, ANZ Australia und die New Zealand Banking Group arbeitete. Dadurch konnte er langjährige internationale Managementerfahrung in der Finanzbranche sammeln. Mittlerweile lebt er in Zürich und ist seit 2018 der CEO von SIX.

Jos Dijsselhof eröffnet seinen Vortrag mit einer erfreulichen Nachricht: Die Finanzbranche wird immer wichtiger. Die Kapitalmarktinfrastruktur ist seit 2012 jährlich um 5% weltweit gewachsen und um 3% in Europa. Damit steigt die Bedeutung der Finanzmarktinfrastruktur immer weiter. Selbst die Covid19-Pandemie hat den Finanzmarkt und SIX nicht geschwächt. Im Gegenteil, die SIX Group konnte vielleicht sogar von ihr profitieren. Denn in diesem Jahr ist das Unternehmen nicht nur in der Schweiz weiter expandiert, sondern hat zudem im Juni die spanische Börse übernommen. Die zusammengeschlossene Gruppe ist somit mit Blick auf den Umsatz der drittgrößte Finanzmarktinfrastrukturbetreiber in Europa.

Die Schweizer Börse, Telekurs und die SIS Group schlossen sich 2008 zu der SIX Group zusammen. Das Unternehmen kümmert sich damit um den Wertpapierhandel, Börsentransaktionen, Finanzinformationen und den Zahlungsverkehr. SIX betreibt dabei nicht nur die Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz, sondern vernetzt zudem Finanzmarktakteure in der Schweiz und auf der ganzen Welt, wobei die SIX Group in 20 Ländern wie beispielsweise den USA, Japan und Singapur aktiv ist. Die Hauptnutzer ihrer Infrastruktur und wichtigsten Kunden sind rund 120 auf dem Schweizer Finanzplatz tätige Banken. Genau diese Schweizer Banken sind auch die Hauptfinanziers von Six. Die Gruppe verbindet dabei die Profitmaximierung mit einem Servicegedanken für Ihre Finanzierer. Nach dem Verkauf des Kreditkartengeschäfts fokussiert sich die Six Group nun gänzlich auf das Börsengeschäft und die Abwicklung von börslichen Transaktionen mit mittlerweile rund 3500 Mitarbeitern.

Nach der Vorstellung von SIX kommt Herr Dijsselhof im Folgenden zum Hauptthema seines Vortrags: der Tokenisierung von Assets. SIX arbeitet seit 2018 an einer neuen regulierten, digitalen B2B-Finanzmarktinfrastruktur, welche die bestehenden Aktien und Banken auf einen digitalen Weg führen soll. Dafür wird die sogenannte Distributed-Ledger-Technologie (vor allem bekannt durch die Kryptowäh- STIFTUNG KREDITWIRTSCHAFT rung Bitcoin) eingesetzt. Es wird eine dezentrale Transaktionsdatenbank (Blockchain) entwickelt, welche sich von der traditionellen, zentral verwalteten Datenbank in dem Sinne unterscheidet, dass identische Kopien von ihr auf tausenden von Servern liegen. Man braucht keine zentrale Instanz mehr, welche neue Einträge in der Datenbank vornimmt, da die Teilnehmer selbst neue Datensätze hinzufügen können. Auf dieser Blockchain liegen die Tokens. Dabei handelt es sich um digitale Wertpapiere, welche Vermögenswerte repräsentieren. Diese werden durch eine Software geschaffen und dienen zur Identifizierung und Authentifizierung von Benutzern.

Die Tokenisierung von Aktien bringt viele Vorteile mit sich. Zum einen ist dieses neue System transparent und sicher zugleich, weil nur dem Käufer und dem Verkäufer Zugriff auf den jeweiligen Token gewährt wird. Außerdem wird der Handlungsprozess deutlich beschleunigt, indem es keine Verzögerungen wie bei einem traditionellen Transaktionsprozess mehr gibt (t plus 2), da keine Intermediäre in Form von Brokern, Banken und Verwahrstellen mehr im Einsatz sind. Damit können die Assets und das Geld innerhalb von Sekunden zwischen Käufer und Verkäufer übergehen. Es besteht ein extrem geringes Counterparty Risk, da Transaktionen nur zustande kommen, wenn sogleich das Asset in Form des Tokens und die Zahlung vorhanden sind. Die gesamte Finanzindustrie könnte dadurch von einer langfristigen Kostenreduzierung profitieren.

SIX untersucht außerdem derzeit zusammen mit der schweizerischen Nationalbank (SNB) und dem Innovationshub der Bank for International Settlement (BIS) die technischen Voraussetzungen für den Nutzen von Wholesale Central Bank Digital Currency, kurz CBDC. Die erste Phase des sogenannten Helvetia-Projektes ist nun abgeschlossen. Bisher zeigt sich, dass neues digitales Zentralbankgeld für die Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten erfolgreich angewendet werden kann. Dafür wurde das existierende Zahlungssystem der SNB mit der neuen Settlement-Plattform SDX verbunden. 

Trotzdem stehen der neuen digitalen Infrastruktur noch einige Hürden im Weg. Zahlreiche gesetzliche, operative und regulatorische Fragen müssen noch geklärt werden, bevor das neue System endgültig eingeführt werden kann. Es bleibt also zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, ob die bestehende Infra-struktur sich zur digitalen wandeln wird und ob wir bald E-Euros und E-Franken statt der konventionel-len Währungen verwenden werden. Dennoch ist Herr Dijsselhof fest davon überzeugt, dass das tradi-tionelle System in der Zukunft von der Blockchain abgelöst und diese die Börse revolutionieren wird.

Um mit der Tradition trotz der virtuellen Umgebung nicht zu brechen, konnten im Anschluss an den Vortrag Fragen aus dem Publikum diskutiert werden. Welche Frage hätten Sie?

Ein Bericht von Nadine Fischer, B.A. cand.

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