Stiftungsvortrag | "Social Distancing und Digitalisierung - hat jetzt die
Stunde der Direktbanken geschlagen?"

21. Mai 2021

Stiftungsvortrag der Stiftung Kreditwirtschaft

Dr. Joachim von Schorlemer zum Thema „Social Distancing und Digitalisierung – hat jetzt die Stunde der Direktbanken geschlagen?“

Am 20. Mai 2021 war Dr. Joachim von Schorlemer, Stellvertretender Vorsitzender der ING in Deutschland, zu Gast am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim. Der digitale Vortrag zum Thema: „Social Distancing und Digitalisierung – hat jetzt die Stunde der Direktbanken geschlagen?“, war mit über 100 interessierten Zuhörern zahlreich besucht.

Die aktuelle Situation der Direktbanken hat sich laut von Schorlemer im Vergleich zur letzten Finanzkrise 2008 stark verändert. Die Banken sind besser aufgebaut, regulierter und durch eine stärkere Kapitalbasis auch viel sicherer in dem was sie tun. Die anhaltende Pandemie ist dabei nicht als „Bankenkrise“ zu sehen. Obwohl, vor allem im letzten Jahr, die Liquiditätssicherung für die meisten Menschen das Hauptziel war, geht es den Kunden trotz der Pandemie finanziell überwiegend gut. Die Unternehmen sind mit guten Geschäftsmodellen und validen Cashflows gut aufgestellt und von Schorlemer geht davon aus, dass nach Corona noch Wachstum bestehen wird.

Die Frage, ob die Stunde der Direktbanken geschlagen hat, bejaht von Schorlemer. Er betont, dass die Stunde der Direktbanken schon lange geschlagen hat, die Digitalisierung nichts Neues ist und es sich um eine Entwicklung handelt, die sich schon seit Jahren abzeichnet.
Die Pandemie führt dabei lediglich zur Beschleunigung der Digitalisierung. Im Laufe der Zeit mussten sich Direktbanken vielen Herausforderungen stellen. Anfang der 2000er Jahre, nach dem Platzen der „Dotcom-Blase“, waren insbesondere in Deutschland viele Menschen zunehmend skeptisch gegenüber Wertpapieren. Anfang der 2010er Jahre hingegen entwickelte sich das Online und Mobile Banking, das dazu führte, dass viele Bankfilialen geschlossen wurden. Heute findet zunehmend eine Verschmelzung der digitalen und vernetzten Welt statt, wodurch die Bargeldzahlung stark abgenommen hat. Covid-19 fungiert als Katalysator für die Beschleunigung der Digitalisierung.

Vor allem der Kundennutzen steht laut von Schorlemer beim Thema Digitalisierung im Fokus. Es soll deshalb ein hoher´Automatisierungsgrad bestehen, weg von der Papierarbeit, hin zur digitalen Lösung. Außerdem ist auch eine positive Entwicklung hinsichtlich des Wertpapiergeschäfts festzustellen. Vor allem junge Menschen investieren zunehmend in Wertpapiere und teilen die vorherrschende Skepsis gegenüber dem Kapitalmarkt von einem großen Teil der älteren Generation nicht.

Der Kontakt und die Beziehung zum Kunden spielen trotz Digitalisierung weiterhin eine große Rolle. Dr. Joachim von Schorlemer betont, dass es wichtig ist, die Kunden zu verstehen, ihnen zuzuhören und ihre Wünsche zu kennen. Dabei sind die Kanäle, mit denen der Kundenkontakt stattfindet, zu managen und auszuweiten. Laut von Schorlemer ist die ING gut für die Pandemie aufgestellt und nutzt die Vorteile der Digitalisierung effizient.

Wichtige Player im Zusammenhang mit der Digitalisierung sind auch FinTechs. Die Strategie der ING ist, die Vorteile der FinTechs für sich selbst zu nutzen. Dementsprechend arbeitet die ING aktuell bereits mit 16 FinTechs zusammen. Diese Zusammenarbeit ist wichtig, um neue und innovative Ideen voranzutreiben und letztendlich den Nutzen für den Kunden zu erhöhen.

Vor dem Hintergrund, dass von Schorlemer schon in vielen unterschiedlichen Banken gearbeitet hat, schließt die Veranstaltung mit der Frage, ob es einen Kulturwechsel hin zum angelsächischen „Mainstream“ in den Banken gibt. Von Schorlemer bestätigt, dass vor allem der Investmentbereich sehr angelsächisch orientiert ist. Dennoch sind die Kulturen der jeweiligen Banken noch spürbar.

Ein Bericht von Julia Juric, M.Sc., Zoi Nazlidou, B.Sc. cand.

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