Stiftungsvortrag |
"Ein Schock ungekannten Maßes - die Rolle der
Förderbanken zur Stützung der Wirtschaft während der Corona-Pandemie"

04. November 2020

Stiftungsvortrag der Stiftung Kreditwirtschaft

Edith Weymayr zum Thema "Ein Schock ungekannten Maßes - die Rolle der Förderbanken zur Stützung der Wirtschaft während der Corona-Pandemie"

Am 04.11.2020 fand der dritte digitale Stiftungsvortrag der Stiftung Kreditwirtschaft im Wintersemester 2020/21 per YouTube-Livestream statt. Diese Mal zu Gast am Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim: Edith Weymayr, Vorsitzende des Vorstands der L‑Bank. Corona, die erneut steigenden Fallzahlen und die wirtschaftlichen Folgen waren das bestimmende Thema für diesen Vortrag - genau genommen: „Ein Schock ungekannten Maßes - die Rolle der Förderbanken zur Stützung der Wirtschaft während der Corona-Pandemie ".

Frau Weymayr eröffnete ihren Vortrag mit einem Blick auf die aktuellen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hierfür veranschaulichte sie den Konjunktureinbruch im Frühjahr 2020 anhand des L-Bank-ifo-Geschäftsklima-Index in Baden-Württemberg und stellte den Vergleich zur Finanzkrise von 2008 dar, indem sie beispielhaft den Rückgang des BIP und die Anzahl der Menschen in Kurzarbeit aufzeigte. Die Exportunternehmen hatten in den Sommermonaten überwiegend optimistische Erwartungen, was die Wirtschaftsleistung in Baden-Württemberg angeht. Der Rückgang der Exporte war jedoch im ersten Halbjahr enorm. Eine Sonderumfrage des ifo-Instituts zu den Auswirkungen der Pandemie weißt außerdem auf ein Potential für langfristige wirtschaftliche Folgen hin. Eine Normalisierung ihrer Geschäfte wird von den befragten Unternehmen nicht vor einem Jahr erwartet, was sich eher noch weiter verlängern wird mit Blick auf die derzeitige Lage im Winter 2020.

Doch welche Rolle haben die Förderbanken? Als Umsetzungsinstitute der Politik haben die Förderbanken an Bedeutung während der Corona Pandemie gewonnen. Die Rolle dieser stellte Frau Weymayr am Beispiel der L-Bank vor. Im Zeitraum von Januar bis September 2020 hat die L-Bank ihr Fördervolumen fast verdoppelt und damit fast 400 Tausend Menschen und Unternehmen erreicht. Die schnelle Förderung erfolgte über verschiedene Kanäle:

  • Als schnelles und unkompliziertes Mittel zählt die Soforthilfe Corona. Darauf folgte die Überbrückungshilfe und weitere Sonderzuschussprogramme. Mehr als 253.000 ausgezahlte Anträge in Höhe von 2,4 Mrd. Euro wurden im Zuschussbereich bezogen.
  • Ein weiteres wichtiges Fördermittel ist das Fremdkapital. Die subventionierten Darlehen arbeiten mit Tilgungszuschüssen welche im Vergleich zu den Zuschüssen zurückbezahlt werden müssen. Insbesondere das Tool Liquiditätskredit Plus wurde während der Pandemie genutzt.
  • Tilgungsaussetzungen für bereits beanspruchte Darlehen wurden ebenfalls angeboten.
  • Zusätzlich wurde das Programm Start-up BW ProTect mit ausgerollt, um die Liquidität der baden-württembergischen Start-Up-Industrie zu sichern.
  • Als dritte Fördersäule gilt das Eigen-/Hybridkapital. Mit dem Programm Mezzanine-Beteiligungsprogramm BW wurden 40 Start-Ups mit 6,5 Mio. Euro unterstützt.

Frau Weymayr betonte hier nochmals, dass es essenziell war und ist, Bankkredite auch während der Hochphase der Pandemie zur Verfügung zu stellen. Die "Bazooka" von Finanzminister Scholz wurde umgesetzt und die Unternehmer wurden rasch und direkt mit Liquidität versorgt. Frau Weymayr wies aber auch darauf hin, dass Anträge abgelehnt wurden und die L-Bank jedem Euro nachgehen wird, der fälschlich beantragt wurde.

Wie wird die Unterstützung in Zukunft aussehen? Frau Weymayr stellte beispielsweise ein neues Darlehensprogramm oder ein Liquiditätskredit für gemeinnützige Organisationen mit einer Haftungsfreistellung vor. Der Beteiligungsfonds Corona unterstützt zudem vor allem systemrelevante kleinere und mittlere Unternehmen mit Eigenkapital. Im Zuschussbereich befinden sich außerordentliche Wirtschaftshilfen und die Überbrückungshilfe 3 in Vorbereitung.

Wie wurden und werden Prioritäten gesetzt? Im Frühjahr stand insbesondere die Überlebenssicherung im Fokus. Neben der Stabilisierung und Zukunftsfestigkeit steht jedoch zunehmend die Innovationsorientierung im Vordergrund. Auch das „Basisfördergeschäft“ der LBank wurde weiter ausgebaut. Das Förderkreditvolumen für Wirtschafts- und Wohnraumförderung wurde gesteigert und weitere „normale“ Tätigkeiten wie die Auszahlung von Elterngelder in BadenWürttemberg führte die L-Bank erfolgreich fort. Erstaunlicherweise gab es eine konstante große Inanspruchnahme von innovationsorientierten Programmen. Nur ein kleiner Rückgang im Vergleich zum Vorjahr ist zu verzeichnen. Auch in Krisenzeiten versucht die L-Bank Nachhaltigkeitsaspekte und die Transformation hin zu Innovationen in ihrer Förderung hochzuhalten. Es ist aber auch ersichtlich, dass die baden-württembergischen Unternehmen trotz Corona an Innovationen weiterarbeiten.

Was die L-Bank aus der Corona-Pandemie lernen konnte stellt Frau Weymayr anhand von vier Punkten dar. Zuerst nannte sie die Vielfalt an Instrumenten und wie diese gestaltet werden können. Die Prüfung der Bedingungen konnte bei den schnell benötigten Förderhilfen nicht wie gewohnt erfolgen. Die Mittel mussten schnellstmöglich zur Verfügung gestellt werden daher war schlichtweg die Zeit nicht ausreichend. Die Balance zwischen ausreichenden Lösungenmit möglichst wenig Streuverlusten und der hierfür benötigten Infrastruktur, die manchmal nicht zu kompliziert sein darf, muss gefunden werden. Als zweiten Punkt nannte Frau Weymayr den Wissenstransfer. Aufgrund der breiten Aufstellung der L-Bank konnte das Wissen über die Bereiche hinweg genutzt werden und in die Bereitstellung der Corona-Sonderprogramme eingebracht werden. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Mitarbeiteridentifikation. Bei der Abwicklung der Coronahilfen kam es enorm auf Schnelligkeit an, wodurch selbst am Wochenende mit allen Mitarbeitern, vom Vorstand bis zum Sachbearbeiter, gearbeitet wurde. Dies machte die hohe Bedeutung der Mitarbeiteridentifikation deutlich und dieser außerordentliche Einsatz ihrer Mitarbeiter macht Frau Weymayr als Vorstandsvorsitzende auch sehr stolz. Zuletzt wurde der Punkt der Digitalisierung genannt. Die Erhöhung des Digitalisierungsgrads in der L-Bank ist in Zukunft weiterhin von hoher Wichtigkeit.

Zusammenfassend hält Frau Weymayr fest, dass in Zeiten dieses Schocks der Corona-Pandemie in wirtschaftlicher Hinsicht die Förderbanken als verlängerter Arm der Bundesregierung eine bedeutende Rolle eingenommen haben. Die Förderbanken setzen die Beschlüsse der Regierung um, mit dem Ziel den hohen Ansprüchen, der Bürger, der Unternehmen, der Regierung und der eigenen Mitarbeiter gerecht zu werden. Mit diesen Worten bedankte sich Frau Weymayr für die Aufmerksamkeit und beendet ihren Vortrag.

Um mit der Tradition trotz der virtuellen Umgebung nicht zu brechen, konnten im Anschluss an den Vortrag Fragen aus dem Publikum diskutiert werden. Welche Frage hätten Sie?

Ein Bericht von Lisa Haller, M. Sc. cand. & Marcel Gehrung, M.Sc.

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