#Meinung | Tokio als Asiens Top-Finanzplatz

16. Januar 2020

Zahra Abdel Rassoul berichtet über ihre Delegationsreise nach Tokio Ende September

Tokio als Asiens Top-Finanzplatz

Delegationsreise Tokyo

Ende September reiste unsere Kollegin Zahra Abdel Rassoul im Auftrag von Stuttgart Financial nach Tokio. Bei der einwöchigen Delegationsreise wurde ihr ein „behind-the-scenes“- Einblick in die Finanz- und FinTech-Szene Japans gewährt. Dabei gab es unter anderem Netzwerk-Möglichkeiten mit Unternehmen wie Origami, Bitflyer, Liquid, Tokyo Stock Exchange, FinoLab Tokyo und der dortigen Finanzplatzinitiative FinCity Tokyo. Über ihre Erfahrungen und Gedanken zur FinTech-Szene Japans berichtet sie in diesem Beitrag.

Konichiwa – Kon I a!

Fragt man sich, welche Bevölkerung neben den Deutschen das Bargeld, die maximale Sicherheit im Umgang mit Geld und ein traditionelles Sparverhalten ebenso liebt, sind wir den Japanern auf einmal so nah wie den Schweizern. So unterschiedlich Japan und Deutschland in manchen Dingen sind, so ähnlich sind sie sich beim Thema Geld und Finanzen.

Japan bietet durch sein robustes, makroökonomisches und finanzielles Umfeld sowie der fortgeschrittenen und sicheren Infrastruktur - Fun Fact: die durchschnittliche Verspätung aller Züge liegt bei 18 Sekunden im Jahr - die perfekte Grundlage für technologische Innovationen und einen global wettbewerbsfähigen Kapitalmarkt.

Mit Blick auf die seit 2009 kontinuierlich sinkende Arbeitslosenquote mit aktuell nur 2,44% (Stand 2018, vgl. Deutschland: 5,1%) und der weltweit drittsichersten Handelswährung (nach dem Dollar und Euro) stellt Japan auch ein attraktives Umfeld für Investoren dar.

Stärkung des Finanzstandortes Tokio durch die Regierung

Aktuell beschäftigt Tokio als Finanzstandort Japans vor allem die Thematik der Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die optimale Förderung von FinTech-Lösungen – insbesondere im Bereich Asset Management und der Umstellung vom klassischen Fiat auf E-Geld.

Bis Ende 2020 möchte die Landesregierung mit ihrem Aktionsplan Tokio zum größten und zentralen Finanzzentrum Asiens etablieren. Für die Umsetzung bietet die Landesregierung attraktive Dienstleistungen wie beispielsweise „One Stop Support“, „Free Consultation“ und „Subsidy for Business Establishment“ an. Dabei sind FinTechs und Asset Management Unternehmen im Fokus. Die Dienstleistungen sollen den Eintritt in den japanischen Finanzmarkt für ausländische Unternehmen und Investoren erleichtern und erstrecken sich von Markt und Partnerrecherchen bis hin zu Netzwerkplattformen und speziellen Beratungen.

Zusätzlich wird mit dem FinTech Accelerator Programm nicht nur versucht, Tokio als Niederlassung für FinTechs attraktiv zu machen, sondern auch durch Events, die ähnlich wie unsere FinTech Days oder die Finanzwoche aufgestellt sind, das Netzwerk zwischen Investoren, Corporates und Startups zu fördern. Die Regierung unterstreicht die Aktivitäten mit der Herausgabe des Tokyo Financial Award, der einmal jährlich an innovative, schnell und nachhaltig wachsende Finanzinstitute verliehen wird und setzt damit einen weiteren Anreiz, sich in Tokio niederzulassen.

Während der Schwerpunkt in Tokio bei FinTechs, Asset Ownern und dem Asset Management liegt, haben wir in Stuttgart neben FinTechs einen weiteren Fokus auf die InsurTechszene, was auf der Tatsache basiert, dass in Stuttgart 29 Versicherungen ihren juristischen Hauptsitz haben – das sind mehr als in der deutschen Hauptmetropole für Finanzen Frankfurt. Der Ansatz, gezielt ebenso InsurTechs zu fördern, ist sehr wichtig, da diese zwar großes Potential bieten, die Förderung dennoch oftmals vernachlässigt wird. Im Bereich Asset Management bleibt Stuttgart hinter Tokio und Frankfurt zurück.

Das Ziel muss es sein, die Bürger Baden-Württembergs für das Thema FinTech/InsurTech zu sensibilisieren und Know-How zu schaffen.

Ob wir die Förderung der Finanzbranche durch Maßnahmen der Bundesregierung in naher Zukunft auch in Deutschland miterleben dürfen, wird sich vielleicht sogar bald schon zeigen. Der erste Schritt wurde bereits im Sommer 2018 durch die regionalen Finanzplatzinitiativen gemacht. Gemeinsam vertreten diese die Interessen der Finanzbranche gegenüber der Politik.

 

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