Im Gespräch mit
Steffen Fuchs von der VPV Lebensversicherungs-AG

08. April 2021

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in diesem Jahr stetig begleiten und ist darüber hinaus Kernthematik unserer diesjährigen Finanzwoche 2021. In diesem Rahmen möchten wir beleuchten, wie sich die Finanzbranche aufstellen kann, um tatsächlich nachhaltiger zu werden und welche Potenziale es am Finanzplatz Stuttgart gibt. In unserer kleinen "Sustainability-Reihe" gehen wir mit Finanzplatzakteuren in den Austausch und lassen verschiedene Gesprächspartner zu Wort kommen.

Für unser drittes Interview haben wir das Gespräch mit Steffen Fuchs gesucht. Steffen Fuchs verantwortet bei der VPV Lebensversicherungs-AG in Stuttgart unter anderem die Konzeption und Entwicklung von Fixed-Income- und Aktien-Investmentstrategien und deren Umsetzung unter Beachtung von ESG Gesichtspunkten.

 

 

Vielen Dank Herr Fuchs, dass Sie sich einen Moment Zeit für uns nehmen, um ein paar spannende Fragen im Rahmen unserer Finanzplatzstrategie zu beantworten.

„Sustainable Finance“ ist ein Begriff, der uns in der Finanzbranche seit ein paar Jahren immer stärker begleitet. Dies suggeriert, dass der Nachhaltigkeitsgedanke auch hier immer mehr an Bedeutung gewinnt. Welches sind Ihrer Meinung nach die deutlichsten Signale, dass auch in der Finanzbranche ein nachhaltiges Umdenken notwendig ist?

Man muss nicht weit schauen, dass klar wird, ein nachhaltiges Umdenken beginnt vor der eigenen Haustüre. Wir alle spüren und sehen zum Beispiel die voranschreitende Klimaerwärmung. Darüber machen sich viele Menschen Gedanken, wenn nicht gar Sorgen. Und somit ist es nicht verwunderlich, dass Menschen ihre Verhaltensweisen, wenn auch teils zögerlich, anpassen. Und hier kommt die Finanzbranche mit ins Spiel. Es ist Fakt, dass der Endkunde sich durchaus Gedanken zur Nachhaltigkeit bei seinen Finanzpartnern macht. Also ist es selbstredend, dass die Finanzbranche hier idealerweise sogar voraus geht und sich entsprechend nachhaltig aufstellt oder zumindest auf einen nachvollziehbaren und messbaren Weg zur Nachhaltigkeit begibt.
 

Der Umweltschutz und die erfolgreiche Erreichung des Pariser Abkommens wird oft als globale Herausforderung angesehen. Dafür ist es jedoch notwendig, auf nationaler und regionaler Ebene zu handeln. Um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, muss der CO2-Ausstoß jährlich um 4 Prozent reduziert werden. Was trägt ihr Unternehmen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen?

Ein effizienter und umweltschonender Ressourceneinsatz wird für die VPV immer wichtiger. Daher tragen wir als VPV auf vielen Ebenen dazu bei, unseren Beitrag zum Pariser Klimaabkommen zu leisten. Unter anderem dafür haben wir uns seit 2020 Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Ein paar Beispiele zur CO2 Reduktion möchte ich aus der Menge der Aktivitäten herausstellen: Seit Ende 2019 haben wir uns strenge Auflagen bei der Kapitalanlage unserer liquiden Assets gegeben. Hier erhöhen wir jährlich den Anteil an ESG konformen Kapitalanlagen und lehnen uns dabei an die Prinzipien des UN Global Compact an. Zudem haben wir uns selbst auferlegte stärkere Beschränkungen bei Unternehmen mit hohem Umsatzanteil in fossilen Brennstoffen, bei Atomkraft und bei arktischen Bohrungen zur Energiegewinnung gegeben.

Wir unterstützen unsere Mitarbeiter bei alternativen Möglichkeiten, den täglichen Weg zur Arbeit klimaneutraler zu gestalten (Job-Rad und Fahrradabstellplätze sowie mit Zuschüssen zu öffentlichen Verkehrsmitteln), Strom beziehen wir von einem Ökostromanbieter, bereits 2009 haben wir begonnen, unsere Beleuchtung schrittweise auf energiesparende LED-Leuchtmittel umzustellen, seit 2015 haben wir Videokonferenzräume eingerichtet, um die Dienstfahrten zwischen den Niederlassungen deutlich zu reduzieren.

Wir haben uns ein Zielbild 2025 gesetzt, das eine ESG Bewertung unserer iliquiden Assets vorsieht, den CO2 Abdruck unserer liquiden Assets stark reduziert und den Resourcenverbrauch und damit insbesondere den CO2 Ausstoß deutlich reduzieren wird.

Als Handlungsrahmen verwenden wir die Nachhaltigkeitspositionierung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.
 

Der European Green Deal soll neben den ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen für mehr europäische Transparenz und Standards sorgen. Welche regulatorischen Rahmenbedingungen müssten Ihrer Meinung nach gesetzt sein um Sie in Ihrer Arbeit besser zu unterstützen?

Ein weiterer Schritt zur Nachhaltigkeit ist sicherlich der European Green Deal. Hier versuchen wir Europäer uns einheitlicher aufzustellen. Am stärksten würde uns als Weltgemeinschaft sicherlich ein nicht zu komplexes Rahmenwerk helfen, durch das die einzelnen Unternehmen am Ende auch für Investoren und Kunden klar unterscheidbar sind, wer und wie stark zur CO2 Reduktion und zu nachhaltigen Kriterien beiträgt.

Als weiterer wichtigen Punkt erwarte ich von den entwickelteren Ländern, sich zu Lieferketten und Entsorgungsketten Gedanken zu machen und hier entschlossen für Änderungen zu sorgen. Dann kann auch in der Kapitalanlage dezidierter und realistischer zum Beispiel der CO2 Fußabdruck reduziert werden. Ein guter Ansatz hierbei ist die Scope 1 bis 3 Betrachtung, die jedoch noch schwer exakt zu kalkulieren sind.
 

„Financing Sustainable Transformation” ist das diesjährige Motto der Finanzwoche. In welchem Bereich sehen Sie große Potenziale wie die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft, Politik und Wirtschaft finanziert werden kann? Welche Kernkompetenzen bringt Ihr Haus dafür mit?

Die Finanzierung dieser Transformation ist sicherlich einer der Schlüssel zum Ziel. Hier sind in einem ersten Schritt die Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Pensionsfonds gefragt. Versicherungen sind schon je her Spezialisten in der Kapitalanlage und haben ein tiefes Verständnis für Ihre angelegten Gelder. Wir als VPV schauen uns vor jeder Investition an, inwieweit eine Kapitalanlage bzw. ein Unternehmen unseren Nachhaltigkeitsvorgaben entspricht und entscheiden dann, ob und ggf. wie hoch investiert werden soll. Unseren Partnern haben wir unsere Vorgaben und Grundsätze kommuniziert und halten diese in der Kapitalanlage auch nach.
 

Die Covid-19 Pandemie stellt uns vor viele neue Herausforderungen, gleichzeitig aber auch Potentiale. Welche konkreten Chancen sehen Sie für die Entwicklung von sustainability und sustainable finance durch die Pandemie?

Die Pandemie hat den Unternehmen, den Führungskräften und den Angestellten gezeigt, dass Homeoffice in vielen Bereichen möglich ist. Der größte positive Effekt ist sicherlich die Einsparung von Arbeitswegen, dies zahlt sowohl stark auf den CO2 Ausstoß als auch auf die Work-Life-Balance ein. Es werden neue Arbeitsformen und Büro-Lösungen entstehen, die vor Kurzem noch nicht denkbar waren oder nicht in Umsetzung gingen. So findet zum Beispiel auch der Austausch mit unseren Assetmanagern derzeit ausschließlich in elektronischer Form statt, was wiederum Auswirkungen auf das Thema Geschäftsreisen mit sich bringt. Das wird Auswirkungen auf das Investitionsverhalten der Kapitalsammelstellenmit sich bringen. Somit verändert sich die Kapitalanlagenlandschaft in einer selten zuvor da gewesenen Geschwindigkeit.
 

Als Finanzplatzinitiative möchten wir unsere lokalen Experten vernetzen, Synergien schaffen und das Thema gemeinsam voranbringen. Wo sehen Sie den Finanzplatz in fünf Jahren? Und welchen Beitrag Ihres Unternehmens sehen Sie dafür?

Als Landeshauptstadt im Land der Denker und Tüftler sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass das Thema Nachhaltigkeit mit all seinen Nuancen hier tief verwurzelt vorangetrieben wird. Im Best Case entwickelt sich der Finanzplatz Stuttgart zu einer Institution am Markt, die als Blaupause für andere Städte, Regionen oder auch Branchen gelten kann.

Wir als VPV möchten hier aktiv unseren Anteil dazu beitragen, indem wir unsere Ideen und unsere Nachhaltigkeitsstrategie gerne im Netzwerk teilen und dadurch andere Teilnehmer motivieren, sich das Thema Nachhaltigkeit verstärkt auf die Fahne zu schreiben. Nur Hand in Hand kann das Thema Nachhaltigkeit – insbesondere die ambitionierten Klimaziele – effizient vorangetrieben werden. Es darf nicht heißen „Schaun’mer mal“, es muss heißen: „Packen wir’s an“!

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