Im Gespräch mit
Kai Rauschecker von BW Albatross Invest

27. April 2021

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in diesem Jahr stetig begleiten und ist darüber hinaus Kernthematik unserer diesjährigen Finanzwoche 2021. In diesem Rahmen möchten wir beleuchten, wie sich die Finanzbranche aufstellen kann, um tatsächlich nachhaltiger zu werden und welche Potenziale es am Finanzplatz Stuttgart gibt. In unserer kleinen "Sustainability-Reihe" gehen wir mit Finanzplatzakteuren in den Austausch und lassen verschiedene Gesprächspartner zu Wort kommen.

In unserem vierten Interview hatten wir einen interessanten Austausch mit Kai Rauschecker. Herr Rauschecker war im Privatkundengeschäft einer deutschen Bank tätig und hat  während dieser Zeit nebenberuflich ein Fernstudium im Bankwesen bei der Frankfurt School of Finance & Management absolviert. Nach seiner Analystentätigkeit ist er nunmehr Associate der BW ALBATROSS INVEST.

Vielen Dank Herr Rauschecker, dass Sie sich einen Moment Zeit für uns nehmen, um ein paar spannende Fragen im Rahmen unserer Finanzplatzstrategie zu beantworten.

„Sustainable Finance“ ist ein Begriff, der uns in der Finanzbranche seit ein paar Jahren immer stärker begleitet. Dies suggeriert, dass der Nachhaltigkeitsgedanke auch hier immer mehr an Bedeutung gewinnt. Welches sind Ihrer Meinung nach die deutlichsten Signale, dass auch in der Finanzbranche ein nachhaltiges Umdenken notwendig ist?

Die Welt und damit die Volkswirtschaften befinden sich in einem großen Transformationsprozess (Stichwort: Energiewende). Damit dieser erfolgreich gelingt, gilt es Anreize auch in der Finanzierung ökologischer und nachhaltiger Projekte zu setzen.

Der Umweltschutz und die erfolgreiche Erreichung des Pariser Abkommens wird oft als globale Herausforderung angesehen. Dafür ist es jedoch notwendig, auf nationaler und regionaler Ebene zu handeln. Um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, muss der CO2-Ausstoß jährlich um 4 Prozent reduziert werden. Was trägt ihr Unternehmen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen?

U.a. begleiten wir Unternehmen bei Finanzierungsvorhaben. In dieser Rolle setzen wir zunehmend Akzente in der Zusammenarbeit mit Finanzierungsinstituten, deren Fokus auf der Finanzierung von Projekten mit sozialem, ökologischem oder kulturellem Mehrwert liegt. Zudem engagieren sich unsere Partner auch selbst und haben sich bspw. bei Immobilien-Entwicklungen dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben.

Der European Green Deal soll neben den ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen für mehr europäische Transparenz und Standards sorgen. Welche regulatorischen Rahmenbedingungen müssten Ihrer Meinung nach gesetzt sein um Sie in Ihrer Arbeit besser zu unterstützen?

Die Rahmenbedingungen sollten in allen Bereichen Reglements setzen, wie sie beispielsweise bereits bei der Finanzierung nachhaltiger Bau- / Umbauprojekten realisiert werden. 

„Financing Sustainable Transformation” ist das diesjährige Motto der Finanzwoche. In welchem Bereich sehen Sie große Potenziale wie die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft, Politik und Wirtschaft finanziert werden kann? Welche Kernkompetenzen bringt Ihr Haus dafür mit?

Ein großer Bereich stellt sicherlich die Immobilienwirtschaft dar. In der Umstellung der Primärenergieträger sowie einer nachhaltigen Bestandsentwicklung steckt hohes Potenzial. „Nichts ist nachhaltiger als eine Bestandsentwicklung.“ Aber auch in der Realwirtschaft bieten sich große Chancen. Durch das Auseinandersetzen mit ESG Kriterien schärft sich häufig auch das allgemeine Umdenken im Unternehmen. Diese Transformation muss finanziert werden. Hier setzen wir an und unterstützen Unternehmen und Investoren, die ein verantwortungsvolles Wirtschaften und eine nachhaltige Gesellschaft fördern wollen.

Die Covid-19 Pandemie stellt uns vor viele neue Herausforderungen, gleichzeitig aber auch Potentiale. Welche konkreten Chancen sehen Sie für die Entwicklung von sustainability und sustainable finance durch die Pandemie?

Covid-19 kann eine Chance bieten, die Wirtschaft in ihrer Neuaufstellung nachhaltig auszurichten. Das vergangene Jahr und die kommende Zeit bietet somit ein Übungsfeld im Transformationsprozess für Maßnahmen, die sinnvoll sein können oder auch nicht (Stichwort Home-Office).

Als Finanzplatzinitiative möchten wir unsere lokalen Experten vernetzen, Synergien schaffen und das Thema gemeinsam voranbringen. Wo sehen Sie den Finanzplatz in fünf Jahren? Und welchen Beitrag Ihres Unternehmens sehen Sie dafür?

Hier dürfen wir uns Ihnen anschließen und sehen in fünf Jahren den Finanzplatz bzw. seine Finanzmarktteilnehmer in Stuttgart als „Wegbegleiter“ der ansässigen Industrie bei der Transformation bzw. bei der Entwicklung innovativer, nachhaltiger Produkte, Dienstleistungen (Finanzierung) und Fertigungstechniken. Unsere Kompetenz liegt dabei primär in der Begleitung und Beratung von nachhaltigen Finanzierungsvorhaben als Unternehmer für Unternehmer.

Eine Initiative von: