Im Gespräch mit
Dr. Guido Bader von der Stuttgarter Lebensversicherung

11. Mai 2021

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in diesem Jahr stetig begleiten und ist darüber hinaus Kernthematik unserer diesjährigen Finanzwoche 2021. In diesem Rahmen möchten wir beleuchten, wie sich die Finanzbranche aufstellen kann, um tatsächlich nachhaltiger zu werden und welche Potenziale es am Finanzplatz Stuttgart gibt. In unserer kleinen "Sustainability-Reihe" gehen wir mit Finanzplatzakteuren in den Austausch und lassen verschiedene Gesprächspartner zu Wort kommen.

In unserem sechsten Interview sind wir mit  Dr. Guido Bader in den Austausch gegangen. Herr Dr. Bader ist Vorstandsmitglied der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. und übernimmt hier die Ressortverantwortung für die Bereiche Mathematik und Kundenservice Leben. Darüberhinaus verantwortet er seit 2019 die Kapitalanlagen und Immobilienanlagen der Stuttgarter Versicherungsgruppe.

Vielen Dank Herr Dr. Bader, dass Sie sich einen Moment Zeit für uns nehmen, um ein paar spannende Fragen im Rahmen unserer Finanzplatzstrategie zu beantworten.

„Sustainable Finance“ ist ein Begriff, der uns in der Finanzbranche seit ein paar Jahren immer stärker begleitet. Dies suggeriert, dass der Nachhaltigkeitsgedanke auch hier immer mehr an Bedeutung gewinnt. Welches sind Ihrer Meinung nach die deutlichsten Signale, dass auch in der Finanzbranche ein nachhaltiges Umdenken notwendig ist?

Nachhaltigkeit und insbesondere der Klimawandel geht uns alle an. Wir haben eine große Verantwortung gegenüber den heute jungen und zukünftigen Generationen. Ein Umdenken ist notwendig, das auch schon in vollem Gange ist. Warnsignale gibt es viele. Das sind zum einen Signale, die von außen kommen, wie die zunehmende Regulatorik im Bereich der Nachhaltigkeit. Zum anderen kommen die Signale aber auch von innerhalb der Finanzbranche. Diese Signale halte ich für viel wichtiger. Immer mehr Finanzmarktteilnehmer verpflichten sich zur Nachhaltigkeit, starten nachhaltige Produkte und leben Nachhaltigkeit in ihrem Handeln. Das sind sehr ermutigende Signale.

Der Umweltschutz und die erfolgreiche Erreichung des Pariser Abkommens wird oft als globale Herausforderung angesehen. Dafür ist es jedoch notwendig, auf nationaler und regionaler Ebene zu handeln. Um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, muss der CO2-Ausstoß jährlich um 4 Prozent reduziert werden. Was trägt ihr Unternehmen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen?

Wir haben sehr früh verstanden, dass wir mit dem bisherigen Denken nicht weiterkommen: Nachhaltigkeit ist für uns kein kurzfristiger Trend. Sie ist eine Haltung, die sich aus unserer Tradition als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ableitet. So sehen wir es ebenfalls in unserer Verantwortung, zum Erhalt der ökologischen, sozialen und ethischen Grundlagen der Gesellschaft beizutragen. Also haben wir 2013 als einer der ersten Lebensversicherer eine nachhaltige Altersvorsorgelösung ins Leben gerufen, die GrüneRente. Inzwischen ist sie zu einer umfassenden Produktlinie mit unterschiedlichen Anlagekonzepten angewachsen. Die Kundengelder fließen dabei explizit in nachhaltige Kapitalanlagen. Und die Nachfrage nach diesen Produkten steigt von Jahr zu Jahr. Darüber hinaus nutzen wir in unserem Fuhrpark Elektromobilität und wir erzeugen mit unserer neuen Photovolatikanlage auf den Dächern unserer Zentrale hier in Stuttgart auch unseren eigenen grünen Strom. Um nur ein paar Dinge zu nennen.

Der European Green Deal soll neben den ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen für mehr europäische Transparenz und Standards sorgen. Welche regulatorischen Rahmenbedingungen müssten Ihrer Meinung nach gesetzt sein um Sie in Ihrer Arbeit besser zu unterstützen?

Regulatorik und Transparenz lebt von Daten. Und die Daten zur Nachhaltigkeit sind noch sehr heterogen und schwer zugänglich. Durch klare Definitionen und Vorgaben für die Realwirtschaft hinsichtlich Veröffentlichungspflichten kann die Datenqualität erhöht werden. Durch das Sammeln der Daten und deren kostenlose Nutzbarmachung auf EU-Ebene kann die Transparenz für Investoren und deren Portfolien deutlich verbessert werden.

„Financing Sustainable Transformation” ist das diesjährige Motto der Finanzwoche. In welchem Bereich sehen Sie große Potenziale wie die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft, Politik und Wirtschaft finanziert werden kann? Welche Kernkompetenzen bringt Ihr Haus dafür mit?

Die Finanzwirtschaft und insbesondere die Lebensversicherer sind große institutionelle Investoren. Eine nachhaltige Investition der Kundengelder birgt riesiges Transformationspotenzial. Durch die langjährige Erfahrung mit nachhaltigen Altersvorsorgeprodukten bringt Die Stuttgarter große Expertise in diesem Bereich mit. Aufgabe der Regierungen ist es hier ganz besonders die Transformation derart zu unterstützen, dass ausreichend nachhaltige wie auch rentable Investitionsmöglichkeiten geschaffen werden.

Die Covid-19 Pandemie stellt uns vor viele neue Herausforderungen, gleichzeitig aber auch Potentiale. Welche konkreten Chancen sehen Sie für die Entwicklung von sustainability und sustainable finance durch die Pandemie?

Covid-19 hat die Digitalisierung – besonders in der Finanzbranche – einen gewaltigen Schritt voran gebracht. Hierdurch werden Ressourcen geschont und CO2 eingespart. Vor allem hat uns Covid-19 aber gelehrt, wie fragil unsere Welt ist und dass wir auf sie aufpassen müssen. Dies erzeugt ein Umdenken, das weit über die Pandemie hinausgeht.

Als Finanzplatzinitiative möchten wir unsere lokalen Experten vernetzen, Synergien schaffen und das Thema gemeinsam voranbringen. Wo sehen Sie den Finanzplatz in fünf Jahren? Und welchen Beitrag Ihres Unternehmens sehen Sie dafür?

In fünf Jahren werden wir Covid-19 hinter uns gelassen haben. Dann wird das Thema Nachhaltigkeit das zentrale Thema für den Finanzplatz sein. Der nachhaltige Umbau institutioneller Portfolios wird bis dahin weit fortgeschritten sein. Hierbei wird Die Stuttgarter mit ihrer GrünenRente, wie auch mit dem gesamten Kapitalanlageportfolio, einen bedeutenden Beitrag leisten.

 

Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Bader!
 

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