Im Gespräch mit
Christine Weininger von der HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG

18. Mai 2021

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in diesem Jahr stetig begleiten und ist darüber hinaus Kernthematik unserer diesjährigen Finanzwoche 2021. In diesem Rahmen möchten wir beleuchten, wie sich die Finanzbranche aufstellen kann, um tatsächlich nachhaltiger zu werden und welche Potenziale es am Finanzplatz Stuttgart gibt. In unserer kleinen "Sustainability-Reihe" gehen wir mit Finanzplatzakteuren in den Austausch und lassen verschiedene Gesprächspartner zu Wort kommen.

Wir freuen uns, in unserem bereits siebten Interview mit Frau Christine Weininger von der HypoVereinsbank ins Gespräch zu kommen. Frau Weininger ist  Firmenkundenberaterin sowie Sustainable Finance Expertin der HypoVereinsbank am Standort Stuttgart. 

Vielen Dank Frau Weininger, dass Sie sich einen Moment Zeit für uns nehmen, um ein paar spannende Fragen im Rahmen unserer Finanzplatzstrategie zu beantworten.

„Sustainable Finance“ ist ein Begriff, der uns in der Finanzbranche seit ein paar Jahren immer stärker begleitet. Dies suggeriert, dass der Nachhaltigkeitsgedanke auch hier immer mehr an Bedeutung gewinnt. Welches sind Ihrer Meinung nach die deutlichsten Signale, dass auch in der Finanzbranche ein nachhaltiges Umdenken notwendig ist?

Der nachhaltige Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft ist für Staat und Unternehmen mit hohen Kosten und Investitionen verbunden. Ein Großteil davon soll aus der Wirtschaft kommen. Der Finanzsektor spielt dabei eine zentrale Rolle. Banken wie die HypoVereinsbank unterstützen ihre Unternehmenskunden bei der Finanzierung der Investitionen für die Umstellung auf nachhaltige Produktionsweisen: mit Krediten, mit Kapitalmarktexpertise, als Mittler zwischen Kapitalanbietern/Investoren und Kapitalsuchenden.

Der Umweltschutz und die erfolgreiche Erreichung des Pariser Abkommens wird oft als globale Herausforderung angesehen. Dafür ist es jedoch notwendig, auf nationaler und regionaler Ebene zu handeln. Um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, muss der CO2-Ausstoß jährlich um 4 Prozent reduziert werden. Was trägt ihr Unternehmen dazu bei, dieses Ziel zu erreichen?

Wir als HypoVereinsbank haben uns selbst klare Nachhaltigkeits-Ziele gesetzt:

  • Für unseren eigenen ökologischen Fußabdruck – u.a. bis 2030 Reduzierung des CO2-Verbrauchs um 80% gegenüber 2008 oder der vollständige Verzicht auf Papier bei unseren Prozessen bis 2023.

Aber insbesondere im Business mit unseren Kunden – so zum Beispiel:

  • Vollständiger Ausstieg aus der Finanzierung des Kohlesektors bis 2028 oder
  • einen starken Ausbau des Volumens von Energieeffizienz-Krediten
  • Unterzeichnung der Klima-Selbstverpflichtung mit 15 weiteren Akteuren des deutschen Finanzsektors im Juli 2020 (Ziel: Ausrichtung der eigenen Kredit- und Investmentportfolien im Einklang mit Pariser Klimaschutzabkommen).
  • Beispiel Treedom: Im vergangenen Jahr ist die UniCredit zudem eine Partnerschaft mit Treedom eingegangen, die die konzernweite Initiative zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes unterstreicht. Treedom ist eine Onlineplattform, die es ermöglicht einen Baum aus der Ferne zu pflanzen. Aus dieser Initiative soll der UniCredit Wald entstehen: Mindestens 90.000 neue Bäume werden in Italien, Kolumbien, Haiti, Kenia, Madagaskar und Tansania gepflanzt. Das wird dazu beitragen, die globalen CO2-Emissionen in den kommenden 10 Jahren um etwa 20.542.500 kg zu reduzieren und entspricht dem CO2- Ausstoß von etwa 4.400 Autos pro Jahr. An diesem Projekt können sich alle Mitarbeiter*innen der Gruppe beteiligen, indem sie im UniCredit Wald kostenlos ihren eigenen Baum pflanzen.

Der European Green Deal soll neben den ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen für mehr europäische Transparenz und Standards sorgen. Welche regulatorischen Rahmenbedingungen müssten Ihrer Meinung nach gesetzt sein, um Sie in Ihrer Arbeit besser zu unterstützen?

In den letzten Jahren wurde ein regulatorisches Rahmenwerk gelegt. Gesetzgeber und internationale Institutionen haben die Notwendigkeit erkannt und zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht, der European Green Deal ist nur eine davon. Wichtig ist nun die Umsetzung von Rahmenwerken, wie z.B. UN Sustainable Development Goals, Green Deal etc., auf die in den jeweiligen Branchen konkret zugeschnittenen Erwartungshaltungen und Vorgaben, anhand derer sich auch die Finanzwirtschaft orientieren kann. Hier sind mit der EU Taxonomieverordnung oder der Offenlegungsverordnung vom Gesetzgeber bereits mehrere Initiativen auf den Weg gebracht, welche nun sukzessive weiter umgesetzt werden, um eine entsprechende Orientierung im Thema Nachhaltigkeit zu schaffen.
 

„Financing Sustainable Transformation” ist das diesjährige Motto der Finanzwoche. In welchem Bereich sehen Sie große Potenziale, wie die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft, Politik und Wirtschaft finanziert werden kann? Welche Kernkompetenzen bringt Ihr Haus dafür mit?

Wir merken die große Relevanz, die das Thema „Nachhaltigkeit“ inzwischen bei unseren Unternehmenskunden hat - nicht nur bei den großen börsennotierten Unternehmen, sondern auch gerade im Mittelstand, bei den kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Nachhaltigkeit ist das Thema in vielen Kundengesprächen, die wir derzeit führen. Wir spüren aber auch gerade bei den mittelständischen Unternehmen teilweise eine gewisse Verunsicherung, was auf die Unternehmen an Herausforderungen – beispielsweise von der Regulierungsseite – zukommt.

Die HypoVereinsbank hat 2020, 100 Mitarbeiter in den Regionen durch die EBS Universität zu Sustainable Finance Experten ausgebildet. Für 2021 sind weitere 150 Mitarbeiter für diese Ausbildung vorgesehen. Diese Kollegen sind in den regionalen Niederlassungen der erste Ansprechpartner, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.  Dies ermöglicht den strategischen Dialog mit unseren Kunden und einen ganzheitlichen Beratungsansatz.
 

Die Covid-19-Pandemie stellt uns vor viele neue Herausforderungen, gleichzeitig aber auch Potenziale. Welche konkreten Chancen sehen Sie für die Entwicklung von "Sustainability" und "Sustainable Finance" durch die Pandemie?

Bereits vor Corona war der Umbau der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität und Nachhaltigkeit die große globale Herausforderung. Die Corona-Krise gibt noch zusätzlichen Schub, vor allem durch die Bestrebungen, bei staatlichen Konjunkturprogrammen Investitionen in Richtung nachhaltige Wirtschaft zu lenken.
 

Als Finanzplatzinitiative möchten wir unsere lokalen Experten vernetzen, Synergien schaffen und das Thema gemeinsam voranbringen. Wo sehen Sie den Finanzplatz in fünf Jahren? Und welchen Beitrag Ihres Unternehmens sehen Sie dafür?

Der Wirtschaftsstandort Deutschland zeichnet sich im europäischen und internationalen Vergleich vor allem durch seine breite mittelständische Struktur aus, welche sich auch in den vergangenen Jahren als sehr stabil erwiesen hat. Daher sehen wir die deutsche Wirtschaft im Bereich Nachhaltigkeit gut gerüstet, auch wenn wir im Gesamtblick sicherlich noch nicht am Ziel sind.

Als eine der führenden Banken Deutschlands werden wir den deutschen Mittelstand in den kommenden Jahren intensiv in der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft begleiten und haben hierfür bereits heute konkrete Beratungs- und Produktangebote für Geschäfts- und Firmenkunden aller Größenklassen sowie auf der Privatkundenseite, welche wir kontinuierlich erweitern und ausbauen. Aufgrund dieser regionalen Struktur kommt den verschiedenen Finanzplätzen in Deutschland eine große Bedeutung zu. Nur wer Zugang zu entsprechenden Finanzprodukten und Möglichkeiten hat, kann die bevorstehende Entwicklung im Thema Nachhaltigkeit gut gerüstet angehen. Hier stehen wir mit unserer breiten Marktabdeckung auch regional an der Seite unserer Kunden.

 

Vielen Dank für das Interview Frau Weininger!
 

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