Stuttgart Financial im Interview mit Reinhard Klein zum Thema ARGE und Nachhaltigkeit

25. Februar 2020

Nachhaltigkeit ist das Thema der Stunde und auch die Finanzwelt ist gefragt, in Sachen Sustainability nachzuziehen. Wie sich die Finanzbranche aufstellen kann, um tatsächlich nachhaltiger zu werden und welche Potenziale es am Finanzplatz Stuttgart gibt, soll an der Finanzwoche 2020 thematisiert werden. Zusätzlich möchten wir Sie allerdings auch schon gerne im Vorfeld bei Ihrer Recherche unterstützen und bieten Ihnen im Zuge dessen eine „Sustainable Finance“- Reihe. Bei dieser Reihe kommen Finanzplatzakteure zu Wort, es wurden Interviews mit interessanten Personen geführt und Themenbereiche näher beleuchtet.

Beginnen möchten wir mit einem Interview mit Reinhard Klein. Reinhard Klein hat seit Januar 2020 den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Baden- Württembergischer Bausparkassen (ARGE) und ist Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, mit rund 7 Mio. Kunden die größte deutsche Bausparkasse.

 

Lieber Herr Klein, es freut uns sehr, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Im Namen des gesamten Finanzplatzes Stuttgart wünschen wir Ihnen einen guten Start in Ihrer neuen Position als Vorstand der ARGE BW. Ihre neue Position bringt viele neue, spannende Projekte mit sich, aber sicher auch die ein oder andere Herausforderung. Welche Ziele haben Sie sich für das Jahr 2020 als Vorstand der ARGE BW gesetzt?

Drei Dinge sind uns wichtig: Wir wollen den guten Austausch mit der Landesregierung und mit den Abgeordneten im Landtag zum wichtigen Thema Wohneigentumsbildung fortführen und, wo immer möglich, intensivieren.

Wir werden das gesellschaftlich relevante Thema der Klimawende aktiv aufnehmen. Denn es ist klar: Ohne die Wohneigentümer in Baden-Württemberg und den anderen Teilen Deutschlands kann die Klimawende im Land und im Bund nicht gelingen.

Und wir wollen auf spannende Projekte und Lösungen aufmerksam machen, die beim gesellschaftlich ebenfalls drängenden Thema Wohnungsmangel weiterhelfen können.

 

Nachhaltigkeit ist seit einigen Jahren nicht nur in der Realwirtschaft ein großes Thema, sondern krempelt auch die Finanzbranche um. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie Nachhaltigkeit sich auch zu einem zunehmenden Grundkriterium bei Investitionsentscheidungen von Anlegern entwickelt. Lässt sich denn im Bereich Bausparen ebenfalls ein Trend zu (mehr) Nachhaltigkeit erkennen?

Klares Ja. Schwäbisch Hall betreibt seit 10 Jahren ein aktives Nachhaltigkeitsmanagement, das alle drei Dimensionen umfasst: die soziale, die ökonomische und die ökologische, die momentan ja sehr im Fokus steht. Das betrifft in unterschiedlichen Ausprägungen alle Finanzdienstleister. Nachhaltigkeit ist aber nicht nur für die einzelnen Mitgliedsinstitute relevant, sondern ganz konkret auf der Produkt­seite: Bausparmittel werden seit Jahren zu einem großen Teil für die energetische Nachrüstung bestehender Immobilien verwendet. Wenn ich als Hausbesitzer weiß, dass ich in zehn Jahren die alten Fenster erneuern muss und dabei die Fassade dämme, ist ein Bausparvertrag das ideale Finanzierungs­instrument dafür: ich spare die Hälfte der Investition an, nutze das Bauspardarlehen, um die Sanierung zu bezahlen und tilge danach das Bauspardarlehen. Der Bausparvertrag wird so zu einem Energiesparvertrag.

 

Sehen Sie im Bereich Nachhaltigkeit einen besonderen Vorteil, den die Bausparkassen gegenüber anderen Finanzinstituten haben?

Wenn Sie so wollen, bieten Bausparkassen einen Startvorteil. Denn wir stehen als Gesellschaft vor der Herkules­aufgabe, bis 2050 einen klimaneutralen Wohnungsbestand zu schaffen. Dazu müssen wir die Immobilienbesitzer mitnehmen, sie überzeugen, den CO2-Ausstoß beim Wohnen deutlich zu senken. Hier können die Bausparkassen mit 26 Mio. Bausparverträgen Treiber für den Klimaschutz sein.

 

Auch am Finanzplatz Stuttgart spielt das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Das diesjährige Thema unserer Finanzwoche lautet deshalb „Sustainability – a new frontier in finance“. Inwieweit spielt Nachhaltigkeit für Sie als Vorstand der ARGE Baden-Württemberg eine Rolle?

Eine große! Wenn wir die Klimawende hinbekommen wollen, dürfen wir keine Zeit mehr verlieren. Wenn wir zu zögerlich an die Sache herangehen, werden wir die gesteckten Ziele nicht erreichen und bezahlen alle die monetären und sonstigen Folgekosten. Daher ist es richtig, das Thema jetzt flächendeckend auf die Agenda zu setzen. Nur so schaffen wir die notwendige Aufmerksamkeit um die Klimaziele zu erreichen.

 

Die ARGE ist seit vielen Jahren wichtiger Partner der Finanzwoche und auch in diesem Jahr freuen wir uns die Veranstaltungsreihe Bausparkassenlounge wieder im Programm zu haben. Dürfen Sie uns schon verraten, was die Bausparkassenlounge am 22. April auszeichnet?

Wir wollen für unsere 150 geladenen Gäste innerhalb des Leitthemas der Finanzwoche den Scheinwerfer auf die Potenziale des Gebäudesektors für die Klimawende richten, mit spannenden Vorträgen und lehrreichen Diskussionen. Die inhaltliche Aufgabe des Abends lautet: Wie können wir‘s konkret angehen? Stattfinden wird die Bausparkassen-Lounge wieder in den Räumen der LBS Südwest.

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