Geschichte zum Finanzplatz

Madame Kaulla, Maler unbekannt

Motor der Industrialisierung

Stuttgart und seine Region sind weltweit bekannt für ihren großen Industriesektor: Internationale Großkonzerne sind hier ebenso zuhause wie zahlreiche innovative Mittelständler. Diese Entwicklung nahm während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ihren Lauf. Beim Aufbau eines erfolgreichen Industrieunternehmens war auch damals die Kapitalbeschaffung ein zentrales Anliegen. So spielten Finanzinstitute wie beispielsweise die 1861 gegründete Wertpapierbörse und zahlreiche Privatbanken eine wichtige Rolle während der Industrialisierung. Besonders die Kreditinstitute, die selbst aus dem Warengeschäft entstanden waren, engagierten sich in der Industriefinanzierung: Das Tuchwarenhandelshaus G.H. Keller’s Söhne beteiligte sich im Nebengeschäft beispielsweise an Gründungen der Textilbranche, das Bankhaus Doertenbach & Co. finanzierte verschiedene Branchen: Unter anderem war es an der Gründung der Esslinger Maschinenfabrik beteiligt. Die Finanzierung von Technologie und Innovation wird am Finanzplatz Stuttgart auch heute noch groß geschrieben, so haben sich hier zahlreiche Großbanken mit Zweigstellen sowie Förderinstitute angesiedelt.

Die Entwicklung des Finanzwesens in Baden-Württemberg begann allerdings schon lange vor dem Einsetzen der Industrialisierung. Die ersten Unternehmer, die mit Finanzgeschäften zu Vermögen gelangten, waren die seit 1710 an württembergischen Höfen eingesetzten Hoffaktoren. Sie organisierten neben Warenlieferungen auch Kreditgewährungen und Juwelenhandel. Die Hoffaktorenfamilie Kaulla war um 1800 an der Gründung der Württembergischen Hofbank beteiligt, die sich in den einhundert Jahren ihres Bestehens auch an der Industrie beteiligte.

Das Finanzwesen für Privatpersonen

Auch das Versicherungswesen, das bis heute einen wichtigen Sektor am Finanzplatz Stuttgart darstellt, hat sich bereits im 18. Jahrhundert entwickelt: 1758 wurden in Baden-Durlach und 1773 in Württemberg die ersten Feuerversicherungen gegründet, die staatlich organisiert und kontrolliert waren. Beide Feuerversicherungen sind inzwischen in der SV SparkassenVersicherung aufgegangen. Die erste private Feuerversicherungsgesellschaft des Südwestens wurde 1828 gegründet. Gemeinsam mit der ersten Rentenversicherung, gegründet 1833 als Allgemeine Rentenanstalt zu Stuttgart firmierte sie seit den 1990er Jahren als Württembergische Versicherungsgruppe und befindet sich heute unter dem Dach der Wüstenrot & Württembergische AG. Auch der größte deutsche Lebensversicherer, die Allianz Leben, wurde 1927 in Stuttgart gegründet und ist noch heute hier ansässig.

Ebenfalls zum Wohle von Privatpersonen wurde 1818 die Spar-Casse Württemberg von Königin Katharina und König Wilhelm ins Leben gerufen. Sie richtete sich an die unteren Einkommensschichten, ebenso wie die genossenschaftlichen Institute, die kleinen Handwerksbetrieben und Landwirten Kreditmöglichkeiten boten. Sparkassen und Volksbanken sind auch heute noch mit umfassenden Filialnetzen im Südwesten vertreten und in Verbänden organisiert. Der Sparkassenverband ist außerdem Anteilseigner der größten deutschen Landesbank, der Landesbank Baden-Württemberg, die 1999 aus der Fusion verschiedener öffentlich-rechtlicher Institute entstanden war.

Die Wiege des Bausparens

Besonders bekannt ist Baden-Württemberg auch für seine Bausparkassen. Diese haben hier seit den 1920er Jahren ihre Heimat. Als erste erfolgreiche deutsche Bausparkasse wurde die Gemeinschaft der Freunde 1924 in Wüstenrot im Kreis Heilbronn gegründet. Auch weitere große Bausparkassen haben im Südwesten ihre Heimat: Im Jahr 1929 wurden die ersten öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen gegründet, so auch die Vorgängerinstitute der heutigen LBS Baden-Württemberg. Im Jahr 1931 folgte die Karlsruher Deutsche Bausparkasse Badenia AG sowie die ursprünglich in Köln gegründete Deutsche Bausparer AG, die später nach Schwäbisch Hall umzog – die Bausparkasse Schwäbisch Hall AG ist heute der deutsche Marktführer.

Die ausführliche Geschichte des Finanzplatzes Stuttgart haben wir in einer Broschüre zusammengestellt, die Sie hier bestellen können.

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