Finanzsektoren

Bausparen, Versichern und Kapital anlegen – so ist der Finanzplatz Stuttgart aufgestellt.

Bausparen

Bausparen hat eine lange Tradition in Baden-Württemberg – auch als Instrument zum Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge. Heute beheimatet der Finanzplatz in Baden-Württemberg vier der großen Bausparkassen Deutschlands: Schwäbisch Hall, Wüstenrot, die LBS Baden-Württemberg und die Deutsche Bausparkasse Badenia.Die Entstehungsgeschichte des Bausparens reicht in die zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die erste deutsche Bausparkasse – die“ Gemeinschaft der Freunde“ (heute Wüstenrot AG) - entstand als Reaktion auf die miserable Wohnungssituation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Im Örtchen Wüstenrot nahe Heilbronn wurde 1921 die „Gemeinschaft der Freunde“ gegründet, die 1924 die erste Bausparkasse konstituierte. Diese richtete sich an die geringer verdienende Mittelschicht. Das erste Bausparerhaus wurde 1925 vom Postkraftwagenfahrer Josef Kümmel gebaut

Das Modell machte Schule, sodass es 1931 bereits 260 offizielle Bausparkassen in Deutschland gab. Weltwirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg machten diesen zwar zu schaffen, dennoch hielt sich das Prinzip des gemeinsamen Sparens auch in den schweren Zeiten standhaft. Mitte der 60er Jahre war bereits jeder zehnte Bundesbürger Bausparer.

Dass der typische Bausparer inzwischen keineswegs unbedingt ein Hausbauer oder Wohnungskäufer ist, birgt Potenzial für die Bausparkassen. Heutzutage fließt ein großer Teil der Bausparmittel vor allem in die Modernisierung, Renovierung und den Umbau bestehender Gebäude. Der Bausparvertrag gewährleistet nicht nur Zinssicherheit, er hat auch - insbesondere seit der Einführung der Eigenheimrente – als Altersvorsorgeprodukt Karriere gemacht.

Die Bausparkassen sind heute eine bedeutende Säule der baden-württembergischen Finanzwirtschaft. Die im Land ansässigen Institute verwalten mehr als die Hälfte der bundesweiten Bauspareinlagen. Auch in der Finanzmarktkrise hat sich das Bausparen bewährt. Die Bausparkassen leisten auch einen bedeutenden Beitrag zur privaten Wohnungsbaufinanzierung im Land.

Quellen: Geschäftsberichte Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, Deutsche Bausparkasse Badenia, LBS Baden-Württemberg, Wüstenrot Bausparkasse AG, BaFin

Daten und Fakten

  • Anzahl der Bausparkassen mit Sitz in Baden-Württemberg

    4

  • Bilanzsumme dieser Bausparkassen (2013) in Mrd. €

    93,5

  • Mitarbeiter dieser Bausparkassen (2013)

    11.327

  • Bauspareinlagen dieser Bausparkassen (2013) in Mio. €

    76,4

Banken und Börse

Die Finanzierung der Wirtschaft und Industrie ist schon seit jeher eines der wichtigsten Standbeine des Finanzplatzes Stuttgart. Bereits zu Zeiten der Industrialisierung engagierten sich zahlreiche Bankhäuser in Baden-Württemberg als Industriefinanziers. Die Bankhäuser gingen zu einem großen Teil aus privaten Handelshäusern hervor, die somit bereits eine enge Beziehung zum produzierenden Gewerbe unterhielten. Daher finanzierten sie häufig besonders die Branchen, in denen sie vorher Handel betrieben haben, beispielsweise die Tuchwarenproduktion. Aber auch große Maschinenfabriken, die noch heute das Bild der Region prägen, wurden von den privaten Handelshäusern finanziert.Die Gründerszene in Baden-Württemberg befindet sich noch heute in einer der innovationsstärksten Regionen in Europa: 30,2 Prozent aller bundesweiten Patentanmeldungen stammen aus dem Südwesten.

So haben sich neben den traditionellen Banken auch Förderinstitute wie die L-Bank, eine der größten Förderbanken Europas, und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die MBG, in Stuttgart etabliert. Mehr zur Gründungsfinanzierung finden Sie hier.

Das noch immer sehr lebendige wirtschaftliche Umfeld hat auch dafür gesorgt, dass sich Stuttgart unter den deutschen Großstädten mit dem höchsten Wohlstandsniveau konstant im vorderen Bereich befindet. Das bietet viel Entwicklungsraum für Finanzdienstleister, die sich auf die Kapitalanlage von Privatanlegern konzentrieren. So beheimatet der Finanzplatz Stuttgart beispielsweise Deutschlands führende Privatanlegerbörse, die auf die direkte Ansprache von privaten Anlegern setzt. Die Börse Stuttgart wurde als „Stuttgarter Börsenverein“ im Jahr 1861 gegründet und trug ähnlich wie viele der privaten Bankhäuser maßgeblich zur Finanzierung der Industrieunternehmen bei. Noch heute ist sie bei den Unternehmensanleihen führend. Die Fokussierung auf den Privatanleger begann in den 1990er Jahren.

Der hohe Lebensstandard hat darüber hinaus dafür gesorgt, dass sich in der Region neben dem Retailgeschäft auch eine starke Kultur des Private Banking entwickelt hat. Unter den ansässigen Finanzdienstleistern befinden sich beispielsweise Privatbanken und Vermögensverwalter, die sich auf dieses Segment spezialisiert haben.

Einen wesentlichen Beitrag zum Austausch zwischen Finanzdienstleistern und Anlegern leistet jedes Jahr aufs Neue die Invest. Mit dieser Messe findet am Finanzplatz Stuttgart Deutschlands größte Veranstaltung für institutionelle und private Anlieger statt.

Quellen: Geschäftsbericht Börse Stuttgart, BaFin

Daten und Fakten

  • Anzahl der Kreditinstitute mit 1. juristischen Sitz in Stuttgart

    17

  • Bilanzsumme dieser Institute (2013) in Mrd. €

    315,8

  • Handelsumsatz der Börse Stuttgart (2014) in Mrd. €

    87,8

  • Dt. Marktanteil der Börse Stuttgart im Handel mit Unternehmensanleihen (2014)

    69%

Versichern

Die ersten Versicherungsunternehmen im Südwesten entstanden Mitte des 18. Jahrhunderts als staatlich organisierte Feuerversicherungen. Die erste private Sachversicherung, die „Württembergische Privat-Feuer-Versicherungs-Gesellschaft“, wurde knapp einhundert Jahre später gegründet. Die staatlichen und privaten Unternehmen von damals gibt es noch heute: Die ehemals dem Land Baden-Württemberg angehörigen Institute firmieren heute gemeinsam als SV SparkassenVersicherung. Die Württembergische Versicherung befindet sich inzwischen unter dem Dach der Wüstenrot & Württembergischen AG. Gemeinsam mit der Allianz Leben, Deutschlands größtem Lebensversicherer, findet sich letztere heute unter den IHK-Top Ten der größten Arbeitgeber der Region Stuttgart. Mit insgesamt 28 Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds ist der Finanzplatz Stuttgart auf dem Gebiet der Versicherung breit aufgestellt.

Die Expertise der ansässigen Versicherungsunternehmen reicht etwa von privaten Krankenversicherungen über die Bereiche Kraftfahrt-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsabsicherung bis hin zu Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Hausrats- und Wohngebäudeversicherungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der privaten und betrieblichen Altersvorsorge.

Quellen: Geschäftsberichte der jeweiligen Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds, BaFin

Daten und Fakten

  • Anzahl Versicherungen und Pensionsfonds in Stuttgart

    28

  • Bilanzsumme dieser Institute (2013) in Mrd. €

    303,7

  • Mitarbeiter dieser Institute (2013)

    18.514

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