Die Zukunft der Banken – Ein Kommentar

16. Mai 2019

„Braucht man noch Banken? Und wenn ja, welche?“ Wir fassen die wichtigsten Aussagen von Karl Matthäus Schmidt, Vorstandvorsitzender der Quirin Privatbank AG, zusammen und geben einen Kommentar.

Braucht man noch Banken? Und wenn ja, welche?

Ein Vortrag von Karl Matthäus Schmidt, Vorstandvorsitzender der Quirin Privatbank AG

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stiftungsvortrag“ diskutierten am 04. April 2019 Karl Matthäus Schmidt, Vorstandvorsitzender der Quirin Privatbank AG, Prof. Dr. Burghof von der Universität Hohenheim und ein interessiertes Fachpublikum über die Zukunft der Banken.

Hier fassen wir für Sie die wichtigsten Aussagen des Abends zusammen. Im Anschluss gibt Dr. Marc Mehlhorn, Leiter von Stuttgart Financial, einen Kommentar zur Diskussion.

Wie hoch ist das Zukunftspotential im traditionellen Bankengeschäft in einer Finanzwelt, die immer mehr von Innovationen der FinTech-Branche oder beispielsweise dem Thema Bitcoin dominiert wird? Die Teilnehmer stellten sich der Frage, ob regionale Bankhäuser in der heutigen Zeit noch eine Überlebenschance haben, welche Vorteile diese bieten und welche Bereiche möglicherweise verschwinden werden.

Karl Matthäus Schmidt erläuterte, dass Regionalbanken gerade wegen der Tatsache, dass sie regional und nicht weltweit agieren, grundlegende Vorteile haben können. Sie sind sehr viel näher an der Real-Wirtschaft und den dazugehörigen Unternehmern, sodass ihre Hauptaufgabe darin besteht, diese mit Krediten zu versorgen. Laut Schmidt ist die Nähe zum Kunden hierbei ein entscheidender Faktor, den Großbanken nicht in diesem Maße erfüllen können. Der Experte glaubt, dass es gerade bei der Kreditversorgung von Unternehmen auf die zwischenmenschliche Kommunikation ankommt. Daher kann seiner Meinung nach in diesem Bereich die traditionellere Form der Bank, als Regionalbank, durchaus Erfolg haben.

Das Privatkundengeschäft hingegen wird sich, so glaubt Schmidt, weiterhin rückläufig entwickeln. Ein Überangebot an Bankfilialen und die steigende Präferenz zu einer Online-Abwicklung sind zu nennende Faktoren. Der Referent geht davon aus, dass die Arbeitsplätze in der Bankwirtschaft weiterhin sinken werden. Das Privatkundengeschäft wird sich seiner Meinung nach zukünftig zu Anbietern verlagern, die objektiv und automatisiert auf Grundlage von Algorithmen Aktionen vornehmen. Die Quirin Privatbank AG liefert selbst ein Beispiel, wie man diesen neuen Anforderungen erfolgreich begegnen kann. Sie wickelt ihre Privatkundengeschäfte schon heute über das Tochterunternehmen und den sogenannten Robo-Advisor „quirion“ ab. Sofern Beratungsbedarf besteht, sind dennoch Berater verfügbar. Es findet somit keine Kannibalisierung, sondern vielmehr eine Zusammenarbeit statt. 

Karl Matthäus Schmidt betonte, dass auch in Zeiten der Digitalisierung der Aktionen das elementare Konstrukt einer Bank weiterhin auf der Aufnahme von Geldern, das Sammeln und Vergeben dieser basieren wird. Seiner Ansicht nach könnte allerdings die Gefahr bestehen, dass sich diese zu einer reinen Transaktionsabwicklungsmaschine entwickelt. 

Hier finden Sie weiterführende Informationen über den Referenten.

Ein Kommentar von Dr. Marc Mehlhorn, Leiter von Stuttgart Financial

Karl Matthäus Schmidt unterstreicht sehr deutlich, dass sich die Welt der Banken und Finanzdienstleister stark verändern wird und digitale Angebote immer wichtiger werden. Als Finanzplatzinitiative haben wir auch die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Banken fest im Blick und können nicht oft genug darauf hinweisen, dass es Zeit ist, auf diese Entwicklungen großflächig zu reagieren. Wir können unsere heimischen Akteure dabei unterstützen. Aber auch die Politik ist gefragt, entschieden zu handeln.

Heutzutage ist den allermeisten Bankkunden das Smartphone deutlich lieber als die Bankfiliale. Laut einer Studie von Deloitte, bei der 238 Banken aus 38 Länder betrachtet und insgesamt 8.000 Kundinnen und Kunden befragt wurden, wird deutlich, dass z.B. für Überweisungen nur noch zwei Prozent der Kunden eine Bankfiliale aufsuchen würden. Gleichzeitig stellt eine Studie der ING fest, dass in kaum einem europäischen Land die Finanzbildung der Bevölkerung so schlecht ist wie in Deutschland. Und erschreckenderweise sind es gerade die digital affinen 18-34-Jährigen, die sich selbst als finanzielle Analphabeten bezeichnen, gleichzeitig aber genau in diesem Alter vor komplexeren finanziellen Entscheidungen wie Altersabsicherung und Geldanlage stehen. Wenn diese Entscheidungen nun zunehmend ohne menschliche Interaktion außerhalb von Bankfilialen stattfinden werden, ist eine deutlich bessere Finanzbildung in der Bevölkerung unerlässlich. Als Finanzplatzinitiative beobachten wir mit großer Sorge, dass die Verabschiedung der durch OECD-Staaten erarbeiteten „Nationalen Strategien für die finanzielle Bildung“ in Deutschland derzeit am Bildungsförderalismus scheitert und rufen die Politik sehr deutlich dazu auf, sich diesem Thema anzunehmen.

Aber auch die Banken selbst sind gefragt, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Die heutigen und künftigen Kunden werden die digitalen Möglichkeiten für ihre Bankgeschäfte und Geldanlageentscheidungen deutlich einfordern. Gleichzeitig bekommen Banken immer mehr Konkurrenz von unerwarteter Seite wie z.B. Google, Amazon, Facebook und Apple. Diese haben seit der gültigen Zahlungsrichtlinie PSD2, welche das Monopol der Banken über die Kontodaten der Kunden aufbricht, einen deutlich leichteren Zugang zum europäischen Zahlungsmarkt. Und die neuen Konkurrenten der Banken sind genau die Akteure, die die digitale Interaktion mit dem Kunden perfekt beherrschen. Damit Banken also nicht ihr Herzstück – nämlich die Beziehung zum Kunden – verlieren, müssen sie handeln und ihre Geschäftsprozesse auf die digitale Welt anpassen. Am Finanzplatz Stuttgart gelingt das einigen Akteuren schon recht gut, was auch erste Anwendungsfälle z.B. im Bereich Blockchain zeigen. Aber das reicht bei Weitem nicht aus. Unter unseren 17 Banken, 29 Versicherungen und zwei Bausparkassen gibt es einige Akteure, die noch einen weiten Weg vor sich haben. Als Finanzplatzinitiative unterstützen wir mit unserem innovativen und jungen Team sehr gerne im Rahmen von Projekten und helfen heimischen Akteuren dabei, ein entsprechendes Netzwerk für einen Austausch von best practise herzustellen. Sprechen Sie uns also sehr gerne an.

Über die Veranstaltungsreihe Stiftungsvortrag

Die Stiftung Kreditwirtschaft veranstaltet regelmäßig mit Unterstützung von Stuttgart Financial an der Universität Hohenheim Fachvorträge, bei denen hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik ihre Sicht zu aktuellen und grundlegenden finanzwirtschaftlichen Themen äußern.

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