Das European International Finance Forum Paris 2019 | Ein Kommentar

23. Juli 2019

Unsere Kollegin Zahra Abdel Rassoul hat das diesjährige IFF in Paris besucht und sich ihre Gedanken zu dem Thema gemacht.

New Technologies, Green & Sustainable Finance – Die Finanzbranche als Mann für alles?

Ein Kommentar zum European International Finance Forum in Paris am 09./10. Juli 2019.

Der Finanzplatz Paris zählt neben London und Frankfurt zu den größten Finanzzentren Europas. Paris EUROPLACE, die dortige Finanzplatzinitiative, veranstaltet ein Mal im Jahr das European International Finance Forum (IFF),welches mit einer Höhe von 1,9 Millionen Euro Medienberichterstattung definitiv das französische Highlight aller Finanzinteressierten ist.

Paris zählt nicht nur zu den Top-Destinationen für Touristen, sondern gehört mit London und Frankfurt auch zu den größten Finanzzentren Europas. Um auch in Zukunft an der Spitze der Finanzzentren Europas zu bleiben, stellte sich der Finanzplatz Paris während des IFF den Chancen und Risiken der aktuellen Herausforderungen und Veränderungen innerhalb der Finanzbranche.

„Explore and conquer new territories: Digitalisation and Green Finance.“
François Villeroy de Galhau, Vorstand Banque de France

New Frontiers in Finance“ – unter diesem Motto fand das diesjährige Finanzforum statt. Die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie politische Einflussfaktoren beschäftigten die über 1700 Teilnehmer und 100 Referenten – stets begleitet von der Frage, wie der Finanzplatz Europa sich gegenüber den USA und Asien positioniere und welche Auswirkungen der Brexit in der Finanzbranche haben werde. In diesem Punkt wünschen sich die Pariser übrigens alle denselben Wein: führender Finanzstandort in Europa zu werden.

Doch welche Themen nehmen wir nun für uns mit?

Wir als Finanzplatzinitiative am Finanzplatz Stuttgart verfolgten mit großem Interesse die Diskussionen, die zu jeder Zeit vor allem durch die Subthemen FinTechs/InsurTechs und Nachhaltigkeit geprägt waren.

Die FinTech/InsurTech-Branche zählt zu den Hoffnungsträgern, um effizienter, schneller, aber auch kostengünstiger Finanzlösungen anzubieten. Diese Tatsache allein überrascht niemanden. Ob das erhoffte Schneeballsystem in der FinTech-Branche noch auftritt, blieb dagegen auch in Paris eine ungeklärte Frage. Einigung gab es jedoch in der Hinsicht, dass es nicht die FinTechs sind, die man zu fürchten hat –  im Gegenteil sie werden als die „Accelerator For Finances“ und Lösungsfinder gesehen – sondern die BigTechs, global agierende Unternehmen, die ihren Einfluss unter anderem durch Ankauf von branchenfremden Entwicklungen ausbauen. BigTechs wird die Fähigkeit Industrien zu spalten und Privatsphären der Konsumenten zu verletzen vorgeworfen, als Beispiel fielen hier auch schon mal der „Libra-Coin“ von Facebook oder Apple, das mit „Apple Pay“ verstärkt im Finanzmarkt mitmischen möchte.

Die FinTech- und InsurTech-Szene ist für uns nichts Neues, da wir schon seit einigen Jahren die FinTech Days, bestehend aus einem Hackathon und dem sogenannten Pitching Day, veranstalten. Dass das Thema nun auch in Paris in den Mittelpunkt rückt, freut uns deshalb sehr.

Nicht nur bei Lebensmittel-Konsumenten, auch in der Finanzbranche spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Doch damit Nachhaltigkeit besser umsetzbar wird, muss diese vor allem von politischer Seite vorangetrieben werden. Die Regierungen sollten das Grundgerüst der Aktivität bereitstellen. Die Referenten debattierten und kritisierten mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Branche die Verantwortung der Finanzwelt als treibende Kraft bei der „grünen Wende“. Die Nachfrage nach ökologischen Finanzprodukten wie Green Bonds steige; es sei Aufgabe des Marktes dem entgegenzukommen und das Angebot zu erweitern. Es sind nicht allein die klassischen Finanzprodukte, die den Weltmarkt umtreiben werden.

„It’s going to be massive, disruptive, it’s going to happen, if we like or not.“
Jean-Luc Robert, Vorstandsvorsitzender und CEO der Kyriba Corp.

Der Wandel wird kommen; eine Auseinandersetzung ist unerlässlich. Um diesen erfolgreich bestreiten zu können, ist es die Verpflichtung der Politik, die Weichen zu stellen, um den Fortschritt zu leiten. Es ist die Bereitschaft, Leistungen zu erbringen, um Leistungen zu erhalten. Die Finanzbranche braucht Unterstützung von Seiten der Regierungen, um den neuen Herausforderungen – wie den nachhaltigen Finanzprodukten – gerecht zu werden, Risiken abzuwägen und eine langfristige Balance zwischen klassischen und neuen Finanzinstrumenten zu finden.

Die Industrie am Standort Stuttgart hat den nachhaltigen Wandel bereits seit dem großen Dieseldebakel ganz oben auf die Agenda gesetzt, das Potenzial, das die nachhaltigen Finanzprodukte haben, ist in Stuttgart aber noch lange nicht ausgeschöpft und daher auch auf dem Radar von Stuttgart Financial!

Die Finanzbranche wächst aufgrund internationaler Kooperationen und regem Austausch zusammen. Es gilt Chancen zu ergreifen und globalen Entwicklungen gemeinsam entgegen zu treten. Jean Lemierre, Vorstandvorsitzender der BNP Paribas in Frankreich, erklärte auf der Konferenz: „Challenges are an everyday thing“ – Veränderungen gibt es schon immer, die Herausforderung besteht darin, diese zu bewältigen.

Risiko besteht immer: ob man die Veränderung nun wagt oder nicht, im Nachhinein ist man meist schlauer. Wir bei Stuttgart Financial nehmen den Preis für das Risiko in diese neuen Ideen zu investieren jedoch gerne in Kauf.

☛ Mehr Informationen über das IFF finden Sie hier.

 

Weitere Neuigkeiten

Eine Initiative von: