Finanzplatz_Stuttgart_Schloss

Deutschlands Finanzprofis mögen ihren Regulator und ihre Aufseher

20. Dezember 2017

Umfrage der CFA Society Germany: Fair und kompetent, aber etwas träge - Lob für die kleineren Finanzplätze der Republik

Von Bernd Neubacher, Frankfurt Börsen-Zeitung, 6.12.2017

Die Klage über übermäßige Regulierung und Aufsicht ist in Deutschlands Finanzsektor der Gruß der jeweils davon direkt Betroffenen. In ihrer Summe wissen die Finanzprofis hierzulande das Wirken von Regulierern und Aufsehern offenbar aber sehr wohl zu schätzen. Nichts anderes legt eine Erhebung zur “Attraktivität Deutschlands als Finanzzentrum” nahe, welche die CFA Society Germany, der deutsche Ableger des globalen Berufsverbands für die Investmentbranche, unter mehr als 800 Finanz- und Investmentprofis aus Assetmanagement, Fintech, Finanzdienstleistung sowie institutionellen Investoren und Hochschulvertretern unternommen hat - 6 % der Umfrageteilnehmer kamen dabei aus Regulierung, Aufsicht und Notenbanken.

Auf einer von minus 3 bis plus 3 reichenden Skala ordnen die Befragten die Kompetenz von Regulierern und Aufsichtsbehörden demnach mit 0,8 deutlich im positiven Bereich ein. Was die CFA Society Germany hervorhebt: eine faire Balance von Gruppeninteressen. Ob es nun um Finanzunternehmen, institutionelle oder private Investoren geht: “Niemand in der deutschen Finanzbranche fühlt sich als Gruppe durch den Regulator bevorzugt oder benachteiligt”, teilen die Autoren der Studie mit. Ebenfalls positiv, allerdings mit Verbesserungspotenzial, haben die Befragten die Kompetenz und Bereitschaft des Regulators bewertet, mit den Akteuren der Finanzbranche in Dialog zu treten.

Bestenfalls neutral fällt unterdessen die Einschätzung der Praktikabilität von Regulierung sowie der Effizienz des Regulators aus. Der schneidet gerade bei den zukunftsträchtigsten Themen am schlechtesten ab: Was die Beachtung “innovativer Trends” angeht, fällt das  Urteil mit minus 0,2 eher negativ aus, das Tempo der Fintech-Regulierung wird mit minus 0,31 bewertet. Einmütig loben die Befragten unterdessen in der vor der Bundestagswahl abgeschlossenen Erhebung die politische und rechtliche Stabilität der Bundesrepublik. Die öffentliche Verwaltung erhalte gute Noten, und die Fragen zur Besteuerung verschiedener Gruppen ergäben beinahe ein ideales Ergebnis. Aus systematischer Perspektive sei dies “kaum verbesserungsfähig”, heißt es.

Auf der Habenseite der Bundesrepublik als Finanzstandort vermerken die Autoren der Studie ferner neben einer soliden Assetmanagement-Branche einen hohen Internationalisierungsgrad der Umfrageteilnehmer: Dass knapp ein Viertel von ihnen auf Englisch geantwortet habe, sei “beeindruckend”, ebenso, dass knapp jeder zweite Befragte bereits für mindestens sechs Monate in Ländern wie Großbritannien, der Schweiz, den USA und Luxemburg gearbeitet habe, welche als Hauptwettbewerber des Finanzstandorts Deutschland wahrgenommen würden. Was die Notwendigkeit betreffe, Wettbewerber zu kennen, sei Deutschland offenbar vorbereitet.

Hinsichtlich möglicher Verbesserungen steht ein steuereffizientes, flexibles privates Altersvorsorgesystem ganz oben auf dem Wunschzettel der Befragten. Was derzeit auf dem Markt sei, bleibe hinter international bewährten Verfahren zurück, bemängelt die Studie. Auch äußerten die Befragten einen starken Wunsch nach einer breiteren Palette an alternativen Investitionsmöglichkeiten. Dies reiche etwa von Infrastruktur zu Mikrofinanz, Kryptowährungen und Volatilitätsprodukten.

Mit Blick auf die übrigen Finanzplätze der Republik bescheinigt Harald Edele, Direktor Kapitalmarkt & Regulierung bei der CFA Society Germany, Frankfurt, “ein ziemlich guter Kompromiss” zu sein. Dies bedeute zugleich, dass die Mainmetropole in kaum einer Disziplin besonders hervorsteche. Ganz vorn liegt die Stadt allein mit multilingualen Kindergärten und Schulen.

Sofern dieser Aspekt von geringerer Bedeutung ist, appellieren die Autoren an Entscheidungsträger, “Alternativen zu Frankfurt” in Betracht zu ziehen. So punkteten Stuttgart und München mit ihrer Wirtschaftskraft und hohem Freizeitwert. Hamburg erhalte ebenfalls gute Noten in Sachen Natur, Kultur und Freizeit, biete zudem eine weniger angespannte Situation am Wohnungsmarkt und noch dazu ein besseres IT- und Transportnetz als die beiden Städte im Süden. Die Rhein-Ruhr-Region sei eine gute Option, falls Wohnraum eine wichtige Rolle spiele, und stelle in verschiedenen anderen Aspekten einen guten Kompromiss dar. Berlin wiederum sei Hauptstadt und schneide gut ab, was internationale Schulen angehe.

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